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berufstätige Mütter

Die „Kann“ Frage – warum arbeitende Mütter das nicht hören wollen

Arbeitende Mütter werden irgendwann im Laufe ihres Mama-Daseins auf eine Frage stoßen: „Musst du denn wirklich wieder arbeiten?“. Umgekehrt sieht es nicht besser aus. Mütter, die sich für Care-Arbeit (man achte auf das Arbeit im Begriff) entschieden haben, arbeiten ja auch, nur eben unbezahlt. Trotzdem werden auch diese Mamas gefragt, wann sie denn „endlich mal wieder arbeiten gehen wollen“. Es zeigt sich schnell ein Muster. Wie man es macht, man macht es falsch. Arbeitende Mütter sind wir aber alle, nur haben wir unterschiedliche Lebensmodelle gewählt.

Female Empowerment – gegenseitig stärken statt runterputzen

Nun ist es leider so, dass gerade Frauen sich zu gerne untereinander ausspielen und runtermachen. Wir tendieren dazu, uns über andere Frauen zu stellen. Da nehme ich mich nicht aus. Mir passiert das leider auch immer wieder und hinterher schäme ich mich für meine Gedanken oder mein Verhalten. Denn Fakt ist: nichts hemmt uns Frauen so sehr in einem selbstbestimmten Leben, wie das Urteil von außen. Angepasst sein, es jedem recht machen wollen, ist uns seit Generationen kulturell mitgegeben. Wir stellen eigene Wünsche und Bedürfnisse häufig hinten an, statt für diese einzustehen und versuchen einer künstlich erzeugten Norm zu entsprechen. Wir machen uns klein, weil wir weder zu laut noch zu forsch in Bezug auf uns selbst sein wollen und vielleicht auch nicht sein dürfen.

Wie schön wäre es, wenn wir irgendwann mal auf dem Spielplatz stehen würden und beim Käffchen to go statt Kritik und Getratsche einmal Positives über andere Mamas sagen würden. „Die Mama vom Nik, die hat jetzt einen richtig tollen Job bekommen! Ich freu mich für sie und finde es klasse, wie sie das gerade alles gewuppt bekommt.“
„Die Mutti vom Klaas hat immer so tolle Tipps für die Einschlafbegleitung, frag sie doch mal nach Rat.“
Das ist doch auch für das eigene Wohlbefinden viel angenehmer. Wer möchte schon seinen kostbaren Tag mit negativen Vibes versauen?

Es ist völlig egal, ob jemand 2 Jahre Elternzeit nimmt, komplett Zuhause bliebt oder direkt nach dem Wochenbett wieder in die Vollzeit-Stelle einsteigt. Wichtig ist, dass es in der Familie geklärt ist und alle glücklich sind.

Eine glückliche Mama ist eine gute Mama

Woran bemisst sich also eine gute Mutter? Sicher nicht daran, wie die Gesellschaft sie haben will. Auch Uschi und Steffi vom Reihenhaus 2 Straßen weiter sind kein Maßstab für eine gute Mutter. Warum fragen wir überhaut immer wieder, was die perfekte Mutter ausmacht? Jedes Kind, jede Familie, jeder Vater, jede Mutter ist anders. Warum also dieser unnötige Druck?
Wichtig ist, dass die Familie aufeinander abgestimmt ist. Wichtig ist, dass die Mama mit ihrem Leben zufrieden und im Reinen ist. Denn nur so kann sie voller Energie ihre Elternschaft leben.
Womit wir zu dem Punkt kommen, weshalb ich und viele andere arbeitende Mütter uns für die Berufstätigkeit entschieden haben. Natürlich müssen wir unseren Teil zum Haushaltseinkommen beitragen. Ich kann nun nur für mich sprechen, aber ich habe mich aktiv und bewusst dazu entschieden.

Ich muss arbeiten, ich kann arbeiten, ich möchte arbeiten

Ich möchte meinen Teil zum Haushaltseinkommen beitragen, weil es mir und meinem Partner damit Augenhöhe verschafft. Wir teilen die Verantwortung in der Familie und bei den Kosten.
Durch mein Gehalt bin ich unabhängig. Ich muss niemanden fragen, ob ich mir eine Handtasche kaufen kann. Ist mein Anteil an Fixkosten bezahlt, entscheide nur ich über mein Geld. Ich frage niemanden und bin keinem Rechenschaft schuldig. Mir persönlich ist das extrem wichtig. Unabhängigkeit war schon immer ein wichtiger Bestandteil für mich. Ich mag kein Gefälle und Geld ist nun mal Macht. Der, der es besitzt, bekommt die Kontrolle.

Ein weiterer wichtiger Punkt für viele arbeitende Mütter – es ist ein völlig anderer Lebensraum. Raus aus den eigenen 4 Wänden (wenn wir mal von Covid- Homeoffice absehen). Gespräche mit den Kolleginnen über Themen, die einfach mal gar nichts mit Kind und Kegel zu tun haben, regelmäßige neue Herausforderungen und geistige Weiterentwicklung.
Gerade die Gespräche im Büro mit den Ladies sind wie ein kleiner Urlaub für mich. Ich bin die einzige mit kleinem Kind. Ihre Themen sind völlig andere und sie nehmen mich in den gemeinsamen Stunden mit in ihre Welt. Es ist fast wie ein kleiner Urlaub aus meiner eigenen und ich liebe es!

Ist es anstrengend für arbeitende Mütter? Ja!!

Es wäre etwas albern nun so zu tun, als wäre das alles total easy und als würde es einem durch all die tollen Pluspunkte ganz einfach Tag für Tag von der Hand gehen. Es wäre nicht nur albern, es wäre glatt gelogen.
Fakt ist: Care-Arbeit wird immer noch großteils von Frauen übernommen – auch wenn sie berufsttätig sind. Für sie heisst es also 2 Jobs gleichzeitig leisten (und irgendwann als Folge mit dem Mental Load leben). Der Gender Care Gap ist allgegenwärtig.

Hinzu kommt, dass es immer noch zu wenig Angebote für berufstätige Eltern gibt. Teilzeit oder nicht Teilzeit, das ist in Deutschland noch immer die Frage aller Fragen. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Wie immer sind uns hier die skandinavischen Länder weit voraus. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dort großes Thema und wird in Unternehmenskulturen gelebt.

In Deutschland sollen Kinder bitteschön unsichtbar sein. In Deutschland fragt man bei Bewerbungsgesprächen immer noch in erster Linie die Mutter, wer sich denn um den Nachwuchs kümmert, wenn sie arbeiten geht. Männer hören solche Sätze in aller Regel nicht.
Fazit: es ist anstrengend und oft genug verfluche ich es, einen Vollzeit-Job auszuüben. Genauso oft bin ich aber auch wirklich froh, genau diesen zu haben.

Weshalb habt ihr euch dazu entschieden, wieder in den Beruf einzusteigen?

Photo by Karolina Grabowska from Pexels

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